Patchworkjobs - Chance im Mittelstand
Der Anlagenbauer für Licht- und Farbmessung X-Rite GmbH Optronik bietet älteren Arbeitnehmern die Möglichkeit, durch Teilzeitjobs oder befristete Projektverträge ihren Beruf auszuüben. Dr. Katrin Kobe, die Leiterin der Niederlassung in Berlin, unterstützt die Arbeitnehmer mit ihrem Netzwerk dabei, mehrere Teilzeittätigkeiten miteinander zu verknüpfen.
X-Rite GmbH Optronik entwickelt, produziert und vertreibt Anlagen für die Farbmessung in der Textil-, Folien- und Stahlbeschichtungsindustrie sowie Anlagen zur Messung von Scheinwerfern für die Automobilindustrie. 22 Mitarbeiter hat die Niederlassung in Berlin insgesamt. Doch bei hoher Auslastung kommt es zu Personalengpässen und da greift Leiterin Dr. Katrin Kobe gerne auf ältere Arbeitnehmer zurück, die nicht mehr im Berufsleben stehen - entweder weil sie in ihrem Alter Schwierigkeiten haben, einen neuen Job zu finden oder weil sie schon im Vorruhestand sind. Die Vorzüge dieser Altersgruppe liegen für sie klar auf der Hand: "Sie sind sehr erfahren, man braucht sie nicht groß einzuarbeiten, sie sind meistens sehr flexibel und sie sind meistens auch verfügbar."
Alternative zum Vollzeitjob
Bieten kann ihnen Dr. Kobe in der Regel jedoch nur befristete Arbeitsverträge oder Teilzeitjobs in der mechanischen Werkstatt, im Prototypenbau, in der Softwareentwicklung und in der Verwaltung. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass es viele Unternehmen in der Größenordnung von X-Rite GmbH Optronik gibt, die jemanden für einen begrenzten Zeitraum suchen und sich keine Vollzeitkraft leisten können, weil sie nicht so viel Arbeit haben: "Wenn man das entsprechend bündelt, findet man doch etliche Möglichkeiten, dass man sich einen Job sozusagen zusammen stückeln kann." Deshalb ist sie auch bereit, ihr eigenes Netzwerk zu nutzen, um Arbeitnehmer an andere Unternehmen zu vermitteln. Ungefähr die Hälfte der für sie arbeitenden älteren Teilzeitkräfte hat noch weitere Arbeitgeber. Ihrer Meinung nach sehen viele ältere Arbeitnehmer die Möglichkeit, durch mehrere Teilzeitjobs sich eine Vollzeittätigkeit zu schaffen, gar nicht als alternatives Beschäftigungsmodell: "Das ist noch nicht so in den Köpfen drin."
Seit drei Jahren greift die promovierte Physikerin auf ältere Teilzeitkräfte zurück, wenn es erhöhten Personalbedarf im Betrieb gibt. Auf ihre Anzeigen mit Teilzeitstellen hatten sich nur Arbeitnehmer über 50 gemeldet. Nachdem sie sehr positive Erfahrungen mit ihnen gemacht hat, nimmt sie jetzt lieber Arbeitnehmer aus dieser Gruppe als Fachkräfte von Zeitarbeitsfirmen: "Diese Leute, die auf dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind motivierter und flexibler, sie sind einfacher anzulernen und fügen sich sehr gut ins Unternehmen ein." Im Gegensatz zu externen Dienstleistern sind sie direkt vor Ort im Betrieb. Außerdem hat sie die Erfahrung gemacht, dass diese Altersgruppe selbständiger arbeitet als jüngere Mitarbeiter.
Vorteile für beide Seiten
Die Vorteile dieses Arbeitsmodells sind für sie eindeutig: das Unternehmen kann damit Personalengpässe abfedern; ältere Arbeitnehmer bleiben im Berufsleben. Vor allem im technologisch orientierten Mittelstand sieht sie Chancen für so ein Beschäftigungsmodell: denn das Know-how sei gefragt, nur dass es eben keine Vollzeitstellen gebe. Deshalb hält sie es gerade für ältere Arbeitnehmer für sinnvoll, sich über ein Netzwerk eine Selbständigkeit aufzubauen. "Wenn man aus dem Berufsleben draußen ist, ist es natürlich sinnvoll, wenn man durch Teilzeitjobs oder befristete Arbeitsverträge aktiv in seinem Beruf bleibt, um zu zeigen, dass man keine massiven Lücken in der Erwerbsbiographie hat, woraus häufig abgeleitet wird, dass derjenige sein Know-how verloren hat." sagt die 43jährige. Eines ist für Dr. Kobe jedoch ganz klar: Der Arbeitsmarkt für ältere Fachkräfte wird sich mittelfristig wieder öffnen. (Christina Breutner)
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